Poster der Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen
Anlass: IV. Olympische Winterspiele
Ort: Garmisch-Partenkirchen, GER
Datum: 06. – 16. Februar 1936
Nationen/NOKs: 28
Teilnehmer: laut IOC 646 (davon 80 Frauen)
Sportarten: 6
Entscheidungen: 17
Eröffnet durch: Reichskanzler Adolf Hitler
Besonderes: Zum ersten Mal brannte das Olympische Feuer, Einführung Ski Alpin

Die Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen
(Kurz notiert – Ausführliche Berichte folgen)

Als Berlin 1931 auf der IOC-Session in Barcelona die Olympischen Sommerspiele 1936 zugesprochen bekam, konnte wohl kaum jemand ahnen, welche Entwicklung Deutschland nur kurze Zeit später durchlaufen würde. Hätte das IOC geahnt, was nach der Machtübernahme Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 passieren und welchen Gegenwind diese Entscheidung verursachen sollte, wären die Oympischen Spiele wahrscheinlich an einen anderen Ort vergeben worden.

So aber machte das deutsche NOK von seinem Recht Gebrauch, neben den Sommerspielen auch die Olympischen Winterspiele im selben Jahr auszurichten. Da 1931 noch keine geeigneten Bewerberstädte gefunden waren, musste die Entscheidung 2 Jahre später gefällt werden und die beiden Marktgemeinden Garmisch und Partenkirchen wurden als Ausrichter ausgewählt.

USA drohte mit Boykott

Nachdem Hitler die Macht übernommen hatte und in Deutschland die Anfeindungen gegen Ausländer, speziell Juden, immer heftiger wurden, machten sich innerhalb der Olympischen Familie Zweifel breit, ob das Land noch geeignet sei, eine solch Völkerverbindende Veranstaltung, wie es die Olympischen Spiele sind, überhaupt durchzuführen. Doch IOC-Präsident Henry de Baillet-Latour (Belgien) wollte sich auch durch die dramatisch veränderte politische Lage in Deutschland nicht dazu durchringen, die Spiele anderweitig zu vergeben. St. Moritz hatte da bereits seine Absicht erklärt, als Ersatz einzuspringen.

Dennoch sah sich de Baillet-Latour unter Druck. Die USA erwägte einen Boykott der Spiele, sollte es bei den Restriktionen gegenüber den Deutsch-Jüdischen Sportlern bleiben. Die Amerikaner forderten die gleichen Rechte für diese Athleten, wie sie Nichtjüdischen eingeräumt wurden. Zudem wollte der IOC-Präsident von der Hitlerregierung eine Garantie, dass die Olympischen Werte und Regeln eingehalten würden. Allerdings waren nur Fotografen aus Deutschland zugelassen. Der Führer wollte in der Außendarstellung Deutschlands die Kontrolle über die weltweit verwendeten Bilder behalten. So wurde nur den Fotos eine Freigabe zur Verwendung erteilt, die die Zensur durch das Propagandaministerium bestanden hatten.

Nachdem Dr. Karl Ritter, Präsident des Organisationskomitees, bekräftigte, dass alles nach IOC-Wunsch ausgeführt wird, beruhigten sich die Gemüter. In der Folgezeit wurde in der Umgebung Garmisch-Partenkirchen die Juden-Verfolgung eingestellt, ausländer- und judenfeindliche Schilder abgehängt. Um scheinbar guten Willen zu präsentieren, ließ Hitler jüdische Sportler zu den Qualifikationswettkämpfen zu. Tatsächlich war mit dem Eishockeyspieler Rudi Ball jedoch lediglich ein Jude in der deutschen Olympiamannschaft. Die Boykottdrohung der USA löste sich auf.

Premieren in Garmisch-Partenkirchen

Den Olympischen Eid der Athleten sprach Willy Bogner (Ski Nordisch). Der Schneidermeister aus München produzierte auch die Skiblusen der deutschen Olympiamannschaft. Später übernahm Sohn Willy das Geschäft und baute „Bogner“ zu einer Weltmarke auf. Als Ausrüster der National- und Olympiamannschaften setzt er die 1936 angefangene Tradition des Familienunternehmens bis heute fort.

Sportlich gesehen feierte man bei den 4. Olympischen Winterspielen Premieren. Zum ersten Mal in der Geschichte brannte während der Winterspiele das Olympische Feuer. Der Fackellauf wurde erst bei den Sommerspielen 1936 eingeführt.

Zudem kam mit Ski Alpin, Medaillen gab es für Männer und Frauen in der Kombination aus Slalom und Abfahrt, eine neue Sportart ins Olympische Programm. Allerdings ging diese Einführung nicht ganz ohne Probleme über die Bühne. Zuerst wollten die Skandinavier, die den nordischen Skisport bevorzugten, die Aufnahme der Alpinen verhindern, wurden aber überstimmt.

Cranz wird erste Alpin-Olympiasiegerin der Geschichte

Und bei den Regeln und Bestimmungen zogen sich die Verantwortlichen den Zorn der Österreicher und Schweizer zu. Skilehrer wurden als Professionals behandelt, wodurch ihnen das Recht entzogen wurde, bei der „Amateur“-Veranstaltung Olympia teilzunehmen. Daraufhin boykottierten Eidgenossen und Österreicher die Wettbewerbe und blieben fern. Einige erlagen der Olympischen Verlockung und schlossen sich daraufhin, sofern sie keine Skilehrer waren, dem deutschen Team an. So auch Adolf Gustav „Guzzi“ Lantschner. Der gebürtige Innsbrucker wechselte kurz vor den Spielen das Lager und nahm die deutsche Staatsangehörigkeit an.

Die erste Goldmedaille sicherte sich Christl Cranz, die die Alpine Kombination gewann. Dabei sah es nach dem Abfahrtslauf nicht nach einer Medaille aus. Durch einen Sturz verlor Cranz viele Sekunden und belegte in der Zwischenwertung lediglich den 6. Rang. Durch fulminante Slalomläufe holte sie auf und wurde die erste Olympiasiegerin im Alpinen Skizirkus. Ihr erster Platz bedeutete am dritten Tag der Spiele auch die erste Goldmedaille der Spiele 1936.

Der Norweger Ivar Ballangrud (Eisschnelllauf) räumte gleich 3 Goldmedaillen ab. Über 500, 5.000 und 10.000 Meter siegte er und holte mit Silber über 1.500 Meter seine insgesamt 7. Olympische Medaille. Die Wettbewerbe im Eisschnelllauf fanden auf dem Rießersee statt.

Eiskunstläuferin Sonja Henie setzte ihren Siegeszug fort und sicherte sich den dritten Olympiasieg in Folge. Im Anschluss an die 4. Winterspiele wechselte sie in den Profibereich und tourte mit ihrer Eisshow um die Welt. Besonders groß war ihre Popularität in den USA. Mit Ernst Baier und Maxi Herber aus Deutschland eroberte im Paarlauf ein neues Traumduo Gold.

Große Überraschung im Eishockey

Für die wohl größte sportliche Überraschung sorgten die Athleten von der Insel. Das Eishockeyteam von Großbritannien sicherte sich den Olympiasieg und entzauberte Sereinsieger Kanada. Allerdings ist dies nicht dem enormen Eishockeyfortschritt in Europa zu verdanken. Vielmehr dem Einfallsreichtum von J. F. “Bunny” Ahearne, Generalsekretär beim britischen Eishockeyverband. Er rekrutierte in Kanada lebende Briten, die vom Leistungsvermögen her, ihren britischen Kollegen haushoch überlegen waren. Die „kanadischen“ Briten waren: Gordon Dailley, Winnipeg – Jimmy Chappell, Whitby, Ontario – Alex Archer, Winnipeg – John “Gerry” Davey, Port Arthur, Ontario – Edgar “Chirp” Brenchley, Niagara Falls – Archie Stinchcombe, Windsor. Kanada legte Protest ein, der jedoch ohne Erfolg blieb.

Vor einer grandiosen Kulisse gingen die Spiele am 16. Februar 1936 zu Ende. Beim abschließenden Skispringen im Skistadion am Gudiberg gewann der Norweger Birger Ruud die letzte Goldmedaille. Zusammen mit der Schlußfeier waren vermutlich mehr als 100.000 Zuschauer ins Olympia-Skistadion gekommen, um den letzten Tag zu feiern. Henry de Baillet-Latour bezeichnete im offiziellen Bericht der Winterspiele das Skistadion in Garmisch-Partenkirchen als schönste Wintersportanlage der Welt. Mit einem Feuerwerk gingen diese vierten Olympischen Winterspiele zu Ende. Bis zu den nächsten Spielen sollte es ganze 12 Jahre dauern. Der 2. Weltkrieg durchkreuzte den Olympischen Fahrplan.

Die Sportarten der Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen

Olympiasieger 1936 und die Plazierten auf dem Podium: Hier wurde Gold, Silber und Bronze vergeben. Mit einem Klick gelangen Sie zur Übersicht der Medaillengewinner in den jeweiligen Disziplinen bei Olympia 1936! Die Sieger auf einen Blick!

(Teilweise sind einzelne Disziplinen hier als eigenständige Sportart aufgeführt – andere sind unter der Hauptsportart gruppiert, wie z.B. Skispringen unter Ski-Nordisch, Bob unter Schlittensport)

►Schlittensport
►Eiskunstlauf
►Eishockey
►Ski Nordisch
►Eisschnelllauf
►Ski Alpin

 

 Der Medaillenspiegel der Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen
  Nation    Gold  Silber  Bronze 
       
1. Norwegen  NOR 7 5 3
2. Deutschland   GER 3 3 0
3. Schweden  SWE 2 2 3
4. Finnland  FIN 1 2 3
5. Schweiz  SUI 1 2 0
6. Österreich  AUT 1 1 0
7. Großbritannien GBR 1 1 1
8. Vereinigte Staaten von Amerika USA 1 0 3
9. Kanada  CAN 0 1 0
10. Ungarn  HUN 0 0 1
11. Frankreich FRA 0 0 1

 

Anmerk.: Aufgrund fehlender Standards und teils verlorengegangener und/oder lückenhafter Aufzeichnungen von den Olympischen Spielen, gerade in den Jahren 1896 - 1948, kann es bei den Angaben statistischer Werte zu den Olympischen Spielen zu Abweichungen zwischen den verschiedenen publizierten Werken über Olympia kommen. Die Angaben auf Sportmomente.de sind nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert worden. Sportmomente.de kann keine Gewähr für die Richtigkeit übernehmen. Als Quellen dienten Angaben des IOC, die offiziellen Berichte der jeweiligen Spiele, sowie verschiedene anerkannte Standardwerke wie z.B. "Die Chronik" von Volker Kluge. Das oben verwendete Design der Tabellen ist geistiges Eigentum von Sportmomente.de und somit urheberrechtlich geschützt. Nachtrag: Änderungen an den Ergebnislisten aufgrund nachträglich erkannter und ausgesprochener Dopingvergehen werden nur ganz sporadisch vorgenommen. Sollte Euch ein Fehler auffallen, könnt ihr mir aber gerne eine Mail an redaktion@sportmomente.de einfügen senden.